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Vom Apfel zum Saft und Stöffsche

Betriebs-Besichtigung bei der Kelterei Krämer in Reichelsheim-Beerfurth | 07. Juni 2024

Es herrschte großer Andrang in der Kelterei Krämer anlässlich des Weltapfelweintages, mit dem sie zahlreichen Besuchern einen Blick in die kürzlich fertiggestellte neue Zentrale in Beerfurth ermöglichte. Anke Braun, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit bei Krämer, begrüßte unsere Gruppe von Fischbachtal kreativ mit knapp über 20 TeilnehmerInnen und führte uns dann in einem sehr informativen Rundgang „von hinten nach vorne“ einmal quer durch den Produktionsprozess eines lokalen „Stöffchens“ mit überregionaler Bekanntheit.

Beginnend im Verladebereich des neuen Betriebsgebäudes ging Anke Braun direkt auf die offensichtlichsten nachhaltigkeitsbezogenen Aspekte der Betriebstätigkeit ein: Von hier starten jeden Tag die LKWs und verteilen die Produkte der Kelterei in der Region und sogar weit darüber hinaus. Rund zwei Drittel davon sind die unverkennbaren 0,5 Liter Einweg-Getränkedosen von Deutschlands bekanntester Apfelwein-Marke „Bembel with Care“.

Das Unternehmen ist sich bewusst, dass der Apfelschaumwein in der Aluminiumdose ein durchaus kritisch bewertetes Produkt ist, denn die Gewinnung von Aluminium ist sehr ressourcenintensiv. Doch für das Familienunternehmen war die Gründung der Marke Mitte der 2000er Jahre eine seltene Zukunftschance. Denn nachdem zu dieser Zeit Apfelwein als Getränk insbesondere unter jungen Menschen kaum punkten konnte, brachte ein junges Start-Up mit „Bembel with Care“ Apfelwein-Mischgetränke in verschiedenen Geschmacksrichtungen unters Partyvolk. Der Erfolg der Marke war nicht zuletzt auf das stylishe Design der Dosen zurückzuführen und brachte der Kelterei ein Wachstum, das letztlich die Standortvergrößerung am Stammsitz in Beerfurth und die Investition in neue Arbeitsplätze in der Region ermöglicht hat. Und damit auch einer Verbesserung der Nachhaltigkeitsbilanz des Unternehmens: interne Abläufe und die Energieeffizienz wurden mit dem Neubau deutlich verbessert, insbesondere gehören die früheren zahlreichen Außenläger mit vielen langen und CO2-intensiven Transportwegen zwischen den einzelnen Produktionsschritten endlich der Vergangenheit an.

Es kann auf der gleichen Anlage flexibel zwischen Dosenabfüllung und Flaschenabfüllung gewechselt werden, wobei die Mehrwegflasche aus Unternehmer-Sicht jedoch leider ungünstiger abschneidet. Denn infolge der Energiekrise der vergangenen Jahre sind 0,33 L-Glasflaschen schwierig zu beschaffen und teuer, die Rückführung der Pfandfalschen ist aufwändig und auch der Energieaufwand für Transport und Reinigung sind erheblich höher gegenüber den Einweg-Blechdosen. Da diese in der Vergangenheit gerne auch mal in der freien Natur landeten, freut sich das Unternehmen, dass das Dosenpfand inzwischen auf Weinmischgetränke ausgeweitet wurde, womit die Recyclingquote des verwendeten Aluminiums steigt. Dennoch ist man sich der schlechten Energiebilanz der Dosenverpackung bewusst und bietet „Bembel with Care“ inzwischen auch in alternativen Verpackungen wie zum Beispiel Fässern für Veranstaltungen an.

Es sind beeindruckende Mengen an Dosen, Flaschen und Fässern, die die riesige Lagerhalle im Inneren der großen Halle füllen. Besonders spannend war es für die Gruppe, die Abfüllung, Pasteurisierung und Verpackung der Produkte an der nagelneuen Fließbandanlage zu beobachten. Rund 10 Millionen Liter Apfelwein und -Saft können im hinteren Kühlbereich in riesigen Edelstahltanks gelagert werden. Dieser ist von Erdreich umgeben, was die richtige Temperierung im Produktionsprozess energieeffizienter werden lässt.

Doch die Tanks sind nicht immer ganz gefüllt, und auch nicht immer nur mit Äpfeln aus der Region. Denn infolge des Klimawandels ist die lokale Produktionsmenge in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen und Äpfel aus anderen Regionen Deutschlands und den Beneluxstaaten müssen zugekauft werden. Aufgrund der milden Winter blühen die Bäume inzwischen durchschnittlich 14 Tage früher und folgende Spätfröste bedeuten dann häufig einen Ernteausfall. Andere, spätere Sorten müssten gepflanzt werden und es müssten sich wieder mehr Menschen aktiv im Obstanbau betätigen. Denn viele lokale Produzenten haben den erwerbsmäßigen Apfelanbau inzwischen aufgegeben, und Neulingen fehlt häufig das Fachwissen, um qualitativ hochwertiges Saft-Obst zu produzieren.

Deshalb engagiert sich Anke Braun auch ehrenamtlich im Förderverein Odenwälder Apfel e.V. für das Wissen rund um natürliche bewirtschaftete Streuobstwiesen, die Pflanzung alter Apfelsorten und die Ausbildung und Nachwuchsförderung. Auf dem locker mit alten und jungen Obstbäumen bewachsenen Hang hinter dem Betriebsgebäude erläutert sie uns die Bedeutung der richtigen Schnitt- und Pflegemaßnahmen für das Überleben der in der Region eigentlich so beliebten Apfelbäume. Dabei spüren wir Anke Brauns sprühende Leidenschaft und den Stolz an, wenn sie vom Apfelwein als lokalem, altem Kulturgut des Odenwalds spricht, gepaart mit dem Zukunftsziel einer modernen, wirtschaftlich nachhaltigen Produktion am Heimatstandort im Gersprenztal.

Im Anschluss an die Führung lud die Kelterei uns zu einer Verkostung der verschiedenen Apfelwein- und Fruchtsaft-Variationen ein, vom Dosengetränk über den edlen Apfelsekt bis zum „guten Hausgemachten“ im klassischen Bembel. 

Wir danken Anke Braun und der gesamten Belegschaft der Kelterei Krämer für die informative Führung und ihre herzliche Gastfreundschaft.

Weiterhin danken wir Bernhard Kredel, der wieder einmal tolle Fotos von dieser spannenden Veranstaltung für uns gemacht hat.

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Vom Apfel zum Saft und Stöffsche

Exkursion und Betriebs-Besichtigung bei der Kelterei Krämer in Reichelsheim-Beerfurth mit Fischbachtal kreativ| Freitag, 07. Juni 2024 um 16:00 Uhr

Wie wird eigentlich aus Äpfeln Apfelwein? Und wie kommen Apfelwein und Fruchtsäfte in die Flasche bzw. Dose und dann in die Supermarkt-Regale? Woher stammen die Rohstoffe und welche Wege werden zurückgelegt, bis wir das regional und überregional so beliebte „Stöffsche“ genießen können?

Diesen Fragen geht die Initiative Fischbachtal kreativ nach und organisiert eine Betriebsbesichtigung der Kelterei Krämer in Reichelsheim-Beerfurth. Das bereits in 3. Generation geführte Familien-Unternehmen öffnet die Pforten seines Firmensitzes an der Gersprenz und gewährt Einblicke in den Betrieb sowie insbesondere in den 2023 eröffneten Erweiterungsbau der Kelterei. Dabei spielte die Ausrichtung auf Nachhaltigkeit eine wesentliche Rolle. Welche Verbesserungen damit erzielt werden konnten und wie das Unternehmen sich außerdem für mehr Nachhaltigkeit in der regionalen Apfelwein- und Fruchtsaftproduktion engagiert, erfahren interessierte Bürgerinnen und Bürger bei der etwa 1-stündigen Führung.

Wann: Freitag, 07.06.2024 um 16:00 Uhr l Treffpunkt für Fahrgemeinschaften wird nach Anmeldung bekannt gegeben.

Bitte vorher anmelden

Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, ist eine vorherige Anmeldung bis 06.06.24 unter veranstaltung@fischbachtal-kreativ.org zwingend erforderlich!

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