Absterbende Bäume im Wald in Fischbachtal (Foto: Stephan Kühn)

Unser Wald im Klimawandel: Verbündeter und Opfer zugleich

Exkursion vom Nostock-Festival zum Wald bei Nonrod  |  Samstag, 06.08.2022

Etwa 35 Gäste des Nonstock-Festivals kamen zur Waldführung des pensionierten Försters Laurenz Pries zum Thema "Wald im Klimastress". Vom Nonstock-Gelände am Röderhof ging es zunächst hinauf zur Schutzhütte am Spitzen Stein. Hier wurden Grafiken zum weltweiten Verbrauch fossiler Brennstoffe (Öl, Gas, Kohle) seit Beginn der Industrialisierung präsentiert. Die eigentlich von der Natur im Erdinneren abgeschottete fossile Energie wird vom Menschen wieder an die Oberfläche befördert und in unvorstellbarer Menge verbrannt. Umgerechnet in Öläquivalente passt die fossile Jahresmenge in einen Tank von 2,24 km Breite x 2,24 km Länge x 2,24 km Höhe.

Die Folgen davon: der CO²-Gehalt der Atmosphäre stieg von 280 ppm vor der Industrialisierung auf nun mittlerweile 417 ppm an – ein enormer Anstieg in unheimlich kurzer Zeit.
Zusammen mit weiteren Gasen wie z.B. Methan ist CO² ein Klima Gas und sorgt ähnlich einem Treibhausglas dafür, dass das Sonnenlicht reflektiert wird und so die Atmosphäre aufheizt.
Die dadurch verursachte Erderwärmung führt zur Eisschmelze an den Polen, steigendem Meeresspiegel und beeinflusst das gesamte Wettergeschehen. Für Süd- und Mitteleuropa wurden schon vor 30 Jahren sommerliche Hitzewellen mit Dürre, die Zunahme von Extremwetterereignissen mit Stürmen, Starkregenereignissen, mildere Winter etc. vorhergesagt.

Den Wald trifft es in mehrfacher Hinsicht

Stürme, Nassschnee, Dürren, Waldbrände, Zunahme von Pilz- und Insektenschäden sind zu nennen.
Aktuell ist Dürre wieder das Thema:
2018 war schon das wärmste und niederschlagärmste Jahr seit Beginn der Klimaaufzeichnungen im Jahr 1881. Auch 2019 und 2020 waren zu warm und hatten deutlich zu wenig Niederschlag. 2021 brachte zwar ausgeglichener Temperaturen, konnte das Wasserdefizit mit nur 90% der durchschnittlichen Menge aber bei weitem nicht ausgleichen. Das Frühjahr 2020 brachte nur knapp 50 % vom durchschnittlichen Niederschlag und die bisherigen Sommermonate waren katastrophal zu trocken und zu heiß.
Was heißt das für den Wald? Wie versorgen sich Bäume mit Wasser? Wozu brauchen sie es?
Diese Fragen vom Förster Pries konnten einige beruflich vorgebildete Teilnehmende beantworten. Sie verwiesen darauf, dass die Blätter an der Unterseite kleine Spaltöffnungen haben, die sie öffnen und schließen können. Sind sie offen, kann Wasser verdunsten. Das wurde vorher über die Wurzel aufgenommen und über die Leitungsbahnen hoch gesaugt. Das Wasser benötigen Bäume für die Photosynthese und auch zur Kühlung der Blätter. Bei fehlendem Wasser im Boden kann die Wassersäule im Baum reißen, es kommt zu einer Art Embolie und Bäume vertrocknen. Um sich davor zu schützen, werden die Spaltöffnungen geschlossen. Das kann der Baum aber nicht auf lange Zeit durchhalten. Er muss ja für die Photosynthese die Stomata öffnen, um auch Nährstoffe zur gewinnen.

Wald in Not

Im Waldbestand am Spitzen Stein war die Wassernot der Bäume für alle direkt sichtbar:
An einer Kirsche hingen die Blätter nun noch schlaff herab. An vielen Buchen waren die Blätter ausgetrocknet, zusammengerollt. Der Weg war stellenweise übersät mit abgeworfenen, noch grünen Blättern. Die Bäume haben sich ihrer entledigt, um nicht noch mehr Wasser verdunsten zu müssen, was ja nicht da ist. An vielen alten Bäumen konnten bereits massive Kronenschäden mit abgestorbenen Ästen beobachtet werden. Das wahre Ausmaß der Schäden wird sich aber erfahrungsgemäß erst im nächsten oder übernächsten Jahr zeigen.

Förster Pries wies bei mehreren Bäumen auf schwarze / braune Stellen in der Rinde hin. Es handelte sich um Pilzbefall. Sind die Bäume durch die Dürre stark geschwächt, können sich diverse Pilzarten ausbreiten und sich gegen den Baum wenden. Sie befallen die Cambiumschicht und zerstören sie, sie verstopfen die Leitungsbahnen und zersetzen das Holz sehr schnell. Dadurch wird es spröde und brüchig. Stärkere Äste können ohne Vorwarnung abbrechen.  

Was können wir tun?

Was kann man tun? Was sollen die Förster tun? – wurde gefragt.
Es müssten Wasserrückhaltebecken gebaut werden, um überschüssiges Wasser im Herbst / Winter im trockenen Sommer in kleinen Dosen an die Bäume zu bringen. War ein gut gemeinter Vorschlag, der aber sicherlich so nicht umzusetzen ist. Versickerungsmulden werden aber bereits entlang von steil verlaufenden Waldwege angelegt. So läuft das Wasser nicht oberflächlich ab, wird im Wald gehalten und vom Waldboden gespeichert. Diese Praxis geht in ähnlicher Richtung.
Soll man besser nicht eingreifen und die Anpassung allein der Natur überlassen? 
Förster Pries verwies auf die Schnelligkeit des Klimawandels und darauf, dass Bäume lange Generationsphasen haben. Bis eine Buche Samen hervorbringt, vergehen 25 bis 30 Jahre. Darauf zu setzen, dass durch genetische Anpassung die Existenz des Waldes bei verändertem Klima gesichert wäre, ist sehr risikoreich. Ein behutsamer Waldumbau an den Klimawandel ist nötiger denn je. Das bedeutet, den Wald vielfältiger aufzubauen. Baumarten aktiv zu pflanzen und mit einzubringen, die besser mit Trockenheit und Hitze zurechtkommen, auf Vielfalt zu setzen.

Diese Maßnahmen können aber – so Pries - nicht davon entbinden, alles notwendige zu tun, um möglichst rasch den klimaschädlichen CO²- und Methan-Ausstoß drastisch zu reduzieren und nachhaltiger mit den Ressourcen umzugehen, insbesondere auch dem Wasser.

 

Bei der Veranstaltung wurde auch fotografiert, aber die Bilder liegen uns noch nicht vor.

Hier ist unsere Einladung:

Zu Gast beim Nonstock-Festival:
Unser Wald im Klimawandel: Verbündeter und Opfer

Exkursion am Sa., 06.08.2022 um 15 Uhr, Start: Hallenbühne beim Nonstock-Festival

Laurenz Pries kennt den Wald seit Jahrzehnten. Er war Förster und beobachtet den Wald und dessen Veränderungen schon sehr lange.

Mit ihm zusammen gehen wir in den Wald beim Spitzen Stein und erfahren und diskutieren ganz viel:
Wie entwickelt sich der Klimawandel? Wie reagiert der Wald darauf? Wie reagiert das Klima auf Wald?
Welche Baumarten sind besonders gefährdet? Welche Baumarten könnten in der Zukunft bei uns wachsen? Müssen wir die Bewirtschaftung des Waldes radikal ändern?
Wie gehen wir mit dem Rohstoff Holz um? Wie nachhaltig sind heizen und bauen mit Holz?

Diese Exkursion ist Teil des Familienprogramms beim Nonstock-Festival. Sie startet gegen 15 Uhr im Anschluss an einen Workshop von fridays4future an der Hallenbühne. Das ist am Beginn der Spitzen-Stein-Weges am oberen Ende von Nonrod.

Hinweise

Nach Nonrod kann man von Niedernhausen aus auf dem F1-Wanderweg schön wandern (ca. 3 km).
In Nonrod gibt es extra Parkplätze für Festival-Gäste mit Auto. Bitte beachten Sie unbedingt die Hinweise der Ordner und parken Sie nicht "irgendwo".
Wir gehen in den Wald: feste Schuhe sind empfehlenswert.
Schützen Sie sich vor der Hitze: Sonnenschutz und genug alkoholfreie Getränke sind wichtig.

 

Wo beginnt die Exkursion?

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